„Sich auskotzen" bedeutet umgangssprachlich: angestauten Ärger, Frust oder Unmut ungefiltert aussprechen oder aufschreiben. Gemeint ist das emotionale Loswerden von Belastendem — nicht das körperliche Erbrechen. Der Duden führt den Ausdruck als salopp, das DWDS belegt ihn als reflexives Verb.
Was heißt „sich auskotzen" genau?
Wer sich auskotzt, erzählt oder schreibt sich etwas von der Seele, das ihn belastet — meist ungefiltert und ohne Rücksicht auf Form. Der Ausdruck beschreibt den Vorgang, nicht das Ergebnis: Es geht ums Loswerden, nicht ums Lösen.
Typisch ist die Konstruktion mit „bei" für die zuhörende Person und „über" für den Anlass: „Ich muss mich kurz bei dir über das Meeting auskotzen." Wer das sagt, erwartet meist keinen Rat, sondern ein offenes Ohr.
Auskotzen oder sich auskotzen — wo ist der Unterschied?
Der Unterschied steckt im Reflexivpronomen. Ohne „sich" ist fast immer das körperliche Erbrechen gemeint („Er hat das ganze Essen ausgekotzt"). Mit „sich" ist die übertragene Bedeutung gemeint, das Loswerden von Ärger.
Daneben gibt es die Wendungen „Ich könnte kotzen" (starker Ärger über eine Lage) und „Das ist zum Kotzen" (etwas ist sehr ärgerlich). Beide sind derber als „sich auskotzen", weil sie keinen Adressaten brauchen.
Woher kommt der Ausdruck?
Es ist eine bildhafte Übertragung aus dem Körperlichen ins Seelische: So wie man sich durch Erbrechen körperlich erleichtert, wird der angestaute Frust im übertragenen Sinn „herausgekotzt". Das Präfix aus- trägt dabei die Bedeutung „vollständig heraus".
Dieselbe Logik steckt in „sich etwas von der Seele reden" und „Dampf ablassen". Alle drei Bilder beschreiben Ärger als etwas, das sich im Inneren sammelt und hinaus muss. Ob dieses Bild psychologisch stimmt, ist eine andere Frage — dazu unten mehr.
Wie wird „sich auskotzen" konjugiert?
„Sich auskotzen" ist ein trennbares, schwaches, reflexives Verb. Das Präfix wandert im Präsens und Präteritum ans Satzende, das Partizip lautet „ausgekotzt", das Hilfsverb ist „haben".
| Form | ich | du | er/sie |
|---|---|---|---|
| Präsens | kotze mich aus | kotzt dich aus | kotzt sich aus |
| Präteritum | kotzte mich aus | kotztest dich aus | kotzte sich aus |
| Perfekt | habe mich ausgekotzt | hast dich ausgekotzt | hat sich ausgekotzt |
| Imperativ | – | kotz dich aus! | – |
Welche Synonyme gibt es — und wann passt welches?
Die Alternativen unterscheiden sich vor allem im Sprachregister. In einer Mail an die Chefin passt ein anderes Wort als im Gespräch mit Freunden.
| Ausdruck | Register | Passt, wenn … |
|---|---|---|
| sich auskotzen | salopp bis derb | … es unter Vertrauten ist und die Wucht mitschwingen soll |
| Dampf ablassen | umgangssprachlich | … der Druck im Vordergrund steht, nicht der Inhalt |
| Frust ablassen / rauslassen | umgangssprachlich | … es um Enttäuschung geht, nicht um Wut |
| sich Luft machen | neutral | … du dasselbe meinst, aber schriftlich oder im Beruf |
| sich etwas von der Seele reden | gehoben | … es um etwas Belastendes geht, nicht um Ärger |
| meckern, motzen | umgangssprachlich | … es um Kleinigkeiten geht und abwertend klingen darf |
| lästern | umgangssprachlich | … über abwesende Personen geredet wird — das ist etwas anderes |
Wie sagt man „sich auskotzen" auf Englisch?
Eine wörtliche Übersetzung führt in die Irre, denn „to throw up" meint nur das Körperliche. Gebräuchlich sind „to vent" (am nächsten dran), „to let off steam" (entspricht „Dampf ablassen") und „to get something off one’s chest" (entspricht „sich etwas von der Seele reden").
Ist „auskotzen" dasselbe wie „Wut rauslassen"?
Nein — und der Unterschied ist mehr als sprachlich. „Sich auskotzen" meint das Aussprechen oder Aufschreiben. „Wut rauslassen" wird dagegen oft als körperliches Abreagieren verstanden, etwa auf ein Kissen einschlagen.
Für beides gibt es unterschiedliche Forschungsbefunde: Das Aufschreiben belastender Erfahrungen gilt als entlastend, das aggressive Abreagieren eher nicht. Warum das so ist, steht in den Ratgebern Frust rauslassen und Wut rauslassen.